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Langzeitbelichtung – kein Problem!

Mit den heutigen Kameras wird es immer einfacher, auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch “brauchbare” Bilder zu produzieren. “Brauchbar” ist da meistens “für’s Internet”; instagram, facebook, twitter, snapchat und dergleichen. Die Bilder haben zumeist eine ohnehin sehr kurze Halbwertszeit und verschwinden nach kurzer Zeit in der Vergessenheit. Da scheint es nicht so schlimm, wenn es ordentlich rauscht in den Fotos oder verwackelt ist. Letzteres wird zumeist korrigiert, indem selbst bei smartphones auf engstem Raum bereits Bildstabilisatoren eingebaut werden.

Das “Rauschen” in den Fotos, das wird durch immer besser werdende Signalverstärkung und immer besser werdende Softwarekorrektur in den Griff genommen. Signalverstärkung heißt hier das, was mit der vermeintlichen ISO-Zahl angegeben wird. Beim analogen Film bedeutete eine ISO-Angabe einen Wert der Empfindlichkeit der Filmemulsion. Bei Digitalkameras sieht das etwas anders aus. Der Sensor bekommt so viel Licht, wie man durch die Kombination aus Verschlusszeit und Blende hindurch lässt. Die sogenannte “Empfindlichkeit”, die man einstellt oder der Automatik überlässt, ist eigentlich nur noch ein Wert der Verstärkung des Signals, also der aufgenommenen Informationen. Entweder man überlässt das der Kamera oder man fotografiert mit Rohdaten und macht das dann später in der Bildverarbeitung am Rechner. Anderswo hatte ich das am Beispiel mal aufgezeigt.

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ISO400, Blende 5.6, 25 Sekunden, Stativ

Doch mit analogem Material funktioniert das nur begrenzt. Man kann freilich einen Film unterbelichten und in der Entwicklung pushen. Man kann allerdings auch, wenn es die Umstände erlauben, einen anderen Weg gehen – die längere Verschlusszeit.

Ein längeres Durchlassen von Licht auf das Aufnahmemedium lässt die Aufnahme natürlich anders erscheinen. Bewegte Objekte erscheinen verwischt; sollte man dabei “aus der Hand” fotografieren “verwischt” womöglich alles, weil man die Kamera nicht still genug halten kann. Dies kann man sich natürlich zunutze machen. Wie man die richtige Belichtungszeit bestimmt, ist mathematisch machbar oder aus “Gefühl” und Erfahrung.

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ISO800, Blende 2.8, 1/2 Sekunde. Auf der Tasche auf dem Schoß.

Ein Bild, das gut erscheint bei ISO1600 und 1/60 Sekunde bei Blende f2.8, wird genauso “hell” erscheinen wie bei ISO800 und 1/30 Sekunde und Blende f2.8 oder ISO1600 und 1/125 Sekunde und Blende 2. Hier gibt es scheinbar unendlich viele Kombinationen. Scheinbar. Denn jede Veränderung eines Wertes hat auch einen Effekt auf das Bild.

Verlängere ich die Verschlusszeit, kann ich bei gleicher Blende mit der “Empfindlichkeit” runter gehen, was natürlich das Rauschen durch die Signalverstärkung verringert. Das führt allerdings nach und nach zu verwischten Bewegungen.

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ISO200, Blende 16, 30 Sekunden, Rollband

Öffne ich die Blende bei gleicher Verschlusszeit, kann ich ebenso mit der “Empfindlichkeit” runter gehen, was wiederum das Rauschen verringert. Das führt allerdings zu weniger Schärfentiefe im Bild.

Habe ich eine vorgegebene Blende für einen vorgegebenen Schärfebereich, bleibt es ein Spiel aus Verschlusszeit und Empfindlichkeit für ein gewisses Ergebnis. Ist die Empfindlichkeit beispielsweise bei ISO200 für möglichst wenig Rauschen eingestellt, kann es abends oder in Innenräumen auch schon zu mehreren Sekunden Belichtung führen. Wie regelt man das nur?!

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ISO200, Blende 5.6, 6 Sekunden, Tresen.

Die Kamera kann man auf ein Stativ stellen, offensichtliche herkömmliche Methode. Man kann aber auch Kissen, bspw Kirschkernkissen nutzen. Oder einen Mauervorsprung. Oder irgendetwas, das die Kamera trägt. Die Umhängetasche eignet sich auch gut. Dann am Besten den Selbstauslöser aktivieren, den Blitz ausschalten und die ISO-Automatik abschalten. Schon kann die Kamera lange belichten und man produziert ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Druckreif, sozusagen!

Probiert es mal aus!

Elmar

Ach so: Licht sammelt sich auf Film wie Wasser in einem Glas. Ist der Wasserhahn weit aufgedreht (offene Blende), dann dauert es nicht lange bis der richtige Füllstand erreicht ist. Ist der Wasserhahn nur wenig aufgedreht (geschlossene Blende), dann dauert es eben länger. Und wer das Glas nicht still halten kann, kleckert. 😛

GAGAMOTO.

Deine besten Bilder.